Diabetes Mellitus Typ 1 begleitet mich seit mehr als 20 Jahren täglich. Es ein ein zentraler Teil meines Lebens. Kaum etwas beeinflusst mein Leben in der Art und Weise wie Diabetes. 


Diabetes Mellitus Typ 1 ist eine Stoffwechselerkrankung. Umgangssprachlich auch "Zucker" oder "Zuckerkranheit" genannt.


Meist tritt der Typ 1 im jugendlichen Alter auf. Aus diesem Grund wird es auch jungendlicher Diabetes genannt.

Der Name „Diabetes Mellitus“ bedeutet „Durchfluss Honigsüßen (Urins)“. 


Diese Bezeichnung stammt aus einer Zeit in der der Arzt den Urin des Patienten zur Diagnose probierte. Wobei eine andere Geschichte ist, dass die Ärzte damals feststellten, dass der Urin von Diabetikern, Ameisen lockte.

Hier in diesem Artikel versuche ich das Wichtigste was Typ1 Diabetes betrifft zu beschreiben. Bei mir wurde Diabetes im 15. Lebensjahr diagnostiziert. Deshalb gehe ich auch darauf ein, wie Diabetes in meinem Alltag aussieht.

1. Wie viele Menschen haben Diabetes?

Die Internationale Diabetes Foundation (IDF) veröffentlicht den Diabetes Atlas. Laut diesem Diabetes Atlas lebten im Jahr 2017 425 Mio Menschen Weltweit mit Diabetes. 


Auch wenn diese Zahl sich bereits enorm anhört. So soll sie sogar um 48% auf 629 Mio Menschen bis zum Jahr 2045 ansteigen.

In Deutschland leben derzeit 6 Mio Menschen mit Diabetes und in Österreich sind es ca. 600tsd, was 10% der Bevölkerung dieser Länder entspricht.

Der Großteil aller Diabetiker hat Typ 2 Diabetes, nur rund 5%-10% aller Diabetiker haben den Diabetes Typ 1.

2. Was ist Diabetes Mellitus Typ 1?

Es ist eine Autoimmunerkrankung. Hierbei greifen unsere Abwehrkräfte unseren Körper an. In Fall von Diabetes Pankreas angegriffen. Wobei um genau zu sein werden die Betazellen in der Bauchspeicheldrüse die das Insulin in den Langhansch’en Inseln herstellen zerstört.

Es ist leider immer noch nicht geklärt warum wir selber unseren eigenen Körper angreifen. 

Diabetes Typ 1 ist im Gegensatz zu Typ 2 nicht heilbar. Unterzuckerungen, hoher Blutzucker, Blutzuckermessen und Insulin spritzen begleiten uns seit der Diagnose ein Leben lang.

Insulin spritzen ist für uns lebenswichtig. Ohne dem Insulin würden wir sterben. Wir können uns glücklich schätzen. Insulin wurde vor gerade einmal 100 Jahren entwickelt. Vor dieser Zeit war die Lebenserwartung eines Typ 1 Diabetikers gerade einmal 12 Monate. 

Bei mir war es damals so, dass ich kurz vor der Diagnose sehr hohes Fieber und Schüttelfrost hatte. In meinem Fall haben  scheinbar meine Abwehrkräfte einfach weitergemacht und meine Pankreas attackiert. 


Meine Eltern & meine Schwester wurden ebenfalls getestet. Im Krankenhaus wurde ausgeschlossen, dass es genetische Ursachen hat.


Meine Ärztin sagte damals „Du hast einfach nur Pech gehabt“.

3. Warum ist Insulin überlebenswichtig für uns ist?

Ohne Insulin kann unser Körper die Energie die er für das Funktionieren braucht nicht verwerten.

Das Insulin ist hierbei eine Art Schlüssel. Es öffnet die Zelle in unserem Körper. So kommt die Energie die wir durch die Nahrung zu uns aufnehmen (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße) in unsere Muskeln und Organe.

Wenn Du Sport machst verbraucht Dein Körper Energie. Wenn Du nichts zu Dir nimmst, wirst Du müde und nach einer kurzen Zeit wirst Du nicht mehr weitermachen können.

Damit unser Körper mehr Energie bekommt, können wir eine Bannane essen. Die Kohlenhydrate werden im Magen abgebaut in Glukose verstoffwechselt.

Als Folge davon gelangt die Glokose in unsere Blutbahn. Dort steht sie als Energiequelle (aufgrund des hohen Glykämieschen Index‘ auch sehr schnell) zur Verfügung.

Nur durch das Insulin kann die Glukose raus aus der Blutbahn gelangen. Schließlich gelangt die Glukose somit in den Muskel oder unsere Organe gelangen.

4. Was die Ursachen für Diabetes Mellitus Typ 1 sind.

Es wird vermutet, dass eine Kombination aus vielen Faktoren zur Entstehung von Diabetes Typ 1 führen.

Eine sehr interessante These habe ich im Buch „China Study“ von Dr. Cambell gelesen. In diesem Buch, das sich mit der pflanzenbasierten Ernährungsweise beschäftigt, führt Dr. Campell folgende Punkte an, welche zu Diabetes Typ 1 führen:

  1. eine generelle genetische Anfälligkeit
  2. zu kurze Stillzeit
  3. zu früher Umstieg auf Kuhmilch

Das Eiweißmolekül der Kuhmilch wird von unseren Abwehrkräften als Eindringling angesehen und angegriffen.

Da das Insulinmolekül dem Eiweißmolekül der Kuhmilch ähnlich ist, nimmt Dr. Campbell an, dass unsere Abwehrkräfte das Insulin mit dem Eiweiß der Kuhmilch verwechseln und angreifen. Dennoch müssen die anderen beiden Faktoren (genetische Disposition, zu kurze Stillzeit) ebenfalls autreten.

Darüber hinaus, gibt es auch die Annahme, dass auch glutenhaltige Ernährung die Entstehung von Diabetes beeinflusst. Das soll sich bereits in unseren ersten beiden Lebensjahren entscheiden.

Sehr interessant finde ich auch, dass Diabetes mit anderen Autoimmunerkrankungen auftritt wie z.B. Hasimoto, Glutenunverträglichkeit oder Magenschleimhautentzündung. 

Ich habe mich vor drei Jahren auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. -intoleranzen testen lassen und es kam heraus, dass ich eine mittelstarke Glutenunverträglichkeit habe.

Also dürfte an den oben genannten Punkten etwas dran sein.

Wie lange ich die Unverträglichkeit habe, kann ich leider nicht sagen. Alle Symptome die durch die Unverträglichkeit auftreten, hatte ich bereits seit sehr langer Zeit.


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5. Bei Verdacht - so kannst Du Dich auf Diabetes testen.

Solltest Du einen Anfangsverdacht haben, kannst Du Dich mittels eines ganz normalen, handelsüblichen Urintests selbst testen. Das habe ich damals auch gemacht.

Im Grunde pinkelst Du auf den Teststreifen. Sobald der Teststreifen die Farbe bei Glucose stark verändert, heißt es mit großer Wahrscheinlichkeit „Willkommen im Club“.

Wichtig ist, dass der Urintest nur für einen generellen Anfangsverdacht ist. Danach musst Du unbedingt zum Arzt gehen für weitere Tests.

Bei mir hat der Arzt hat dann einen Bluttest mit einem Teststreifen durchgeführt. Hier wurde mein Finger ge-piekst und dann die Glucose im Blut getestet.

Der Test sollte nüchtern durchgeführt werden und die Werte liegen bei gesunden Menschen zwischen 65mg/dl und 100 mg/dl. Mein Wert lag damals bei 220 md/dl.

WICHTIG: solltest Du den Verdacht haben, dass Du Diabetes hast, dann bitte dringend und unbedingt zum Arzt gehen.

Wenn Du in einen absoluten Insulinmangel kommst, dann besteht Lebensgefahr durch die Diabetische Ketoazidose bzw. durch das Diabetische Koma.

Bis zu 25% der Komafälle wären durch eine frühe Entdeckung des Typ 1 Diabetes vermeidbar. Über Diabetische Ketoazidose, habe ich in diesem Blogeintrag geschrieben.

Was die Symptome von Diabetes sind bzw. wie sich Diabetes im Frühstadium bemerkbar macht habe ich hier beschrieben.

5. So wird Typ 1 Diabetes behandelt. 

Diabetes Mellitus Typ 1 wird nur mit Insulin behandelt!

Ich lese immer wieder im Internet, dass auch der Typ 1 Diabetes mit Diät und Sport behandelt werden kann. Das ist absoluter Blödsinn und lebensgefährlich.

Sport und gesunde Ernährung verbessern und stabilisieren Deinen Blutzucker und verbessern Deine Insulinsensitivität. Aber das kann niemals ein Ersatz für Insulin sein.

Da unser Körper kein Insulin produziert, müssen wird das Insulin durch Spritzen zuführen.

6. Welche Therapiemöglichkeiten es gibt.

Im Grunde sind es drei Therapieansätze.

Konventionelle Insulintherapie: fixes Spritzschema. Du musst zu festgelegten Zeiten eine fixe Insulinmenge spritzen. Der Vorteil ist hier, dass diese Therapieform leicht anwendbar ist, weniger Blutzuckermessungen erfordert. Der große Nachteil ist, dass die Therapieform sehr starr ist. Hierbei musst Du zu fixen Zeiten fixe Mengen essen.

Bei der Basis Bolus Insulintherapie spritzt Du zwei verschiedene Insulinarten. Ein Langzeitinsulin (Basisinsulin) ein oder zwei Mal am Tag. Das deckt den Minimumbedarf des Körpers ab. Und zu jeder Mahlzeit (Bolusinsulin). 

Diese Therapierform ist einerseits flexibler aber andererseits wesentlich aufwändiger als das fixe Spritzschema. Du misst viel öfter Deinen Blutzucker und spritzt öfter Insulin. Der große Vorteil ist jedoch, dass Du Dir Deine Mahlzeiten einteilen kannst.

Bei der Insulinpumpentherapie trägst Du rund um die Unr eine Insulinpumpe. Diese gibt zu jeder Uhrzeit Insulin ab. Wenn Du isst, kannst Du einfach auf Knopfdruck Dein Mahlzeiteninsulin spritzen. Gibt im wesentlichen zwei Arten von Insulinpumpe -> schlauchlose (patch) Pumpe und Insulinpumpe mit Schlauch.

Du hast wesentlich mehr Freiheit als bei Basis Bolus Therapie. Die Pumpe verbessert die Lebensqualität. 

Die Nachteile sind (für mich zumindest) Sichtbarer Diabetes, da Du die Pumpe an Dir hast. Ein Nachteil ist, dass Du die Pumpe ständig tragen musst. Ein wesentlicher Nachteil der Insulinpumpentherapie ist aber mit Sicherheit die schnelle Entwicklung einer lebensgefährlichen Diabetischen Ketoazidose.

Mehr über Insulinpumpen habe ich hier geschrieben.

7. Komplikationen & Folgeschäden.

Einerseits gibt es hierbei akut lebensgefährliche Zustände und andererseits Folgeschäden durch Diabetes.


Die Unterzuckerung kann schnell zur Lebensgefahr werden. Zum einen kannst Du Dich durch einen unkontrollierten Sturz schwer verletzen. Sofern die Unterzuckerung voran schreitet, kannst Du ins Koma fallen und sterben.

Ein weiteres Problem, das sich sehr schnell entwickeln kann, ist die Diabetische Ketoazidose. Viele Diabetiker bekommen ihre Diagnose aufgrund dieses Zustandes.

Folgeschäden sind die Folge von einem schlecht eingestelltem Diabetes. Hohe Blutzuckerwerte die zu einem hohen HbA1c führen schädigen Deine Blutgefäße.

Folglich können Probleme bei fast jedem Organ auftreten.

Aufgrund der schlechten Durchblutung, kann ein Diabetischer Fuß zur Amputation führen. Aufjedenfall heilen Deine Wunden viel schlechter. Darüber hinaus können Schäden an der Netzhaut (Retinopathie) entstehen. Spät behandelt können diese zur Blindheit führen.

Die meisten Patienten mit Nierenschäden (Neprhopathie) sind Diabetiker. Bei schlecht eingestellten Diabetikern ist ebenfalls das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte hoch.

Die Liste mit Folgeschäden ist beinah endlos.

Zu den häufigsten Folgeerkrankungen von Diabetes zählen:

  • diabetischer Fuß
  • Nervenschäden
  • Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Augenschäden
  • Schäden an den Nieren

8. Fazit: Mein Alltag mit Diabetes Mellitus Typ 1.

8. 1. Allgemeines.

Tja, Diabetes wird und unser Leben lang begleiten. Die Funktion eines Organs zu übernehmen, ist sehr anstrengend.

Blutzuckermessen, Insulin spritzen, Unterzuckerung, Hyperglykämie sind ein großer Teil meines Lebens. Es dreht sich sehr vieles um die Krankheit, leider. 

Dein Blutzucker wird oft zu hoch oder sein. Und sehr oft zu tief. Am nervigsten sind aber schlechte Blutzucker nachts.

Ich kann viele Nächte nicht (durch)schlafen, weil mich der Diabetes aufweckt. Entweder werde ich durch sehr niedrige Werte aufgeweckt. Andererseits durch den Drang zur Toilette wenn der Blutzucker zu hoch ist. So oder so. Die Nacht ist dann zum Vergessen und der nächste Tag meist auch.

Unterzuckerungen sind sehr gefährlich, aber auch vor allem extrem nervig. Ich ärgere mich sehr, weil ich auf den Diabetes achte, aber meine Werte trotzdem öfters schlecht sind.

Obwohl es sich sehr komisch anhört. Trotz all dem aber, bin ich dennoch sehr dankbar. 


Wir haben hier in Europa Zugang zu unserer Medizin. Das ist leider nicht überall so. Insulin wurde erst 1921 Diabetikern zur Verfügung gestellt. Davor war die Lebenserwartung eines Typ 1 Diabetikers unter 12 Monaten.

8. 1. Ernährung.

Grundsätzlich ist das Schwierigste die Kohlenhydrate zu berechnen. Bei Fertiggerichte stehen diese meist auf der Verpackung. Sobald Du aber auswärts isst, wird das sehr schwer. 

Brot und Obst wiege ich immer ab (auch nach all den Jahren). Der Vorteil ist, dass wenn ich wirklich keine Wahl habe, dann kann ich das Gewicht auch gut abschätzen. Auswärts 


Essen ist immer schwer abzuschätzen und immer noch herausfordernd.

Das große Problem beim Auswärts essen ist aber:

  1. Essen ist sehr reich an Kohlenhydraten,
  2. hat einen hohen glykämischen Index und ist 
  3. sehr fettig.
Deshalb, bereite ich mir meine Mahlzeiten so oft wie möglich zu. 


Wenn ich nichts selbst kann, dann schaue ich, dass ich zwei bis drei Alternativen habe. Eine Variante ist, ein Lieblingsgericht zu haben und dieses zu essen. Oder ich entscheide mich einfach fürs intermittent Fasting und lasse die Mahlzeit aus.

Abendessen habe ich spätestens um 19Uhr. Ich mache das deshalb, denn wenn ich um 23 Uhr schlafengehe wirkt das Mahlzeiteninsulin nicht mehr. Ich kann in diesem Fall halbwegs gut einschätzen was mein Blutzucker über die Nacht macht.

Ist mein BZ um die 100gm/dl dann esse ich noch eine halbe BE dazu.

8. 1. Sport.

Sport ist in der Regel kein Problem. Ich variiere meine Sporteinheiten. Ausdauersport, Kraftsport etc.

Ich nehme keine Sport BE zu mir  bei Sporteinheiten bis ca. einer Stunde. Wenn ich aber länger als eine Stunde Sport mache, dann beginne ich nach der ersten Stunde alle 15 Min eine BE zu mir zu nehmen. 

Wichtig ist hier auf den Auffülleffekt des Muskels zu achten. Da Dein Körper Energie (vor allem Kohlenhydrate) verbraucht, werden die Glocogenspeicher Deiner Muskel und der Leber entleert. Nach dem Sport werden diese wieder aufgefüllt.

D.h. achte unbedingt auf die Mahlzeiten nach dem Sport. Spritze etwas weniger! Aber achte aufjedenfall auf die Nacht nach starken sportlichen Aktivitäten!! Wenn ich Ausdauersport gemacht habe gehe ich immer mit ca. 160 mg/dl schlafen. Sonst riskiere ich starke Unterzuckerungen.


Falls Du mehr über meine Anfänge mit Diabetes lesen willst, kannst Du es hier auf meiner über mich Seite nachlesen.

Ansonsten kannst Du Dir weitere Artikel in meinem Blog ansehen. Du findest sicher viele hilfreiche Tipps & Tricks.

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