Das Internet ist voll mit Berichten über große Abnehmerfolge bei einer Low-Carb-Diät. Wie sinnvoll ist aber Low-Carb bei Diabetes, vor allem für Typ 1 Diabetiker, tatsächlich?  

Im Grunde darfst Du bei dieser Diät keine Lebensmittel, die Kohlenhydrate enthalten, essen oder trinken. Das Ziel der Diät ist es, den Körper vom normalen Stoffwechsel in den Fettstoffwechsel zu treiben, damit das Körperfett als Hauptenergiequelle dient.

Für Diabetiker hat die Diät, zumindest laut einigen Meinungen, den Vorteil, dass der Blutzucker nicht stark nach einer Mahlzeit ansteigt und viel stabiler ist.

1. Was macht Dein Körper mit den Kohlenhydraten?

Unser Körper braucht Kohlenhydrate. Kohlenhydrate gehören neben Proteinen (Eiweiß) und Fetten zu den Makronährstoffen und sind Hauptbestandteile unserer Nahrung.

Alle der drei Nährstoffe sind notwendig für bestimmte Abläufe und Prozesse in unserem Körper. Dein Körper braucht die Kohlenhydrate zur kurzfristigen Energiegewinnung damit Deine Organe und Muskeln arbeiten können.

Alle unsere Muskeln und Organe benötigen, so wie ein Auto, Treibstoff zum Funktionieren. Der Körper benötigt sowohl Proteine (durch Glokogeonese) als auch Fette zur Energiegewinnung. Der Haupttreibstoff sind jedoch Kohlenhydrate, da diese schnell und effizient dem Köper zur Verfügung stehen. 

Nehmen wir zu viele Kohlenhydrate auf, werden diese als Fettpolster gespeichert. Ob wir wollen oder nicht – die Natur hat es für uns so vorgesehen. Es macht auch Sinn, denn früher wussten wir nicht wann es wieder was zum Essen gab und wie lange wir bis zur nächsten großen Mahlzeit ausharren mussten.

2. Nehme ich durch Low-Carb auch dauerhaft ab?

Nein! Laut zahlreichen Studien ist der Abnehmerfolg der Anfangszeit, in den ersten Monaten der Diät sehr groß. Die meisten haben aber ihr Ursprungsgewicht nach ca. einem Jahr wieder erreicht. 

Es ist einfach auf Dauer nicht möglich keine bzw. nur sehr geringe Mengen an Kohlenhydraten zu dir zu nehmen.

Ein nachhaltiger Abnehmerfolg ist nicht möglich, weil unser Körper bei Verzicht auf Kohlenhydraten in einen Notfallmodus versetzt wird. Er läuft auf Sparflamme. Dieser Zustand ist wie eine Art Schock für Deinen Körper.

Aufgrund des Stoffwechselgedächtnisses füllt dein Körper bei einer erneuten Aufnahme von Kohlenhydraten die geschmolzenen Fettpölster automatisch wieder auf.


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3. Low-Carb mit Diabetes - Meine Erfahrung

Ich habe mich für eine Zeit lang bewusst Low-Carb ernährt und schreibe hier über meine Erfahrungen über den Einfluss der Low-Carb Diät bei Diabetes.

Trotz Low-Carb-Diät stieg mein Blutzucker an, zwar nicht gleich nach der Mahlzeit, dafür später umso mehr. Das Phänomen ist ähnlich wie nach einer fetthaltigen Pizza.

Grundsätzlich berechnen wir beim Essen für die Insulinabgabe belegte Broteinheiten (also Kohlenhydrate, Proteine, Fette zusammen) und diese werden im Körper verstoffwechselt. Fehlen Kohlenhydrate, müssen Fette und Proteine trotzdem in die Zellen gelangen. Dies erfolgt stark verzögert (bis zu 8 Stunden nach einer Mahlzeit!). 

Deshalb musste ich anstatt von Broteinheiten, so genannte Fett-Protein-Einheiten berechnen. Das bedeutet, dass ich feststellen musste, wie viele Kalorien eine Mahlzeit hatte und dann anstatt BE - FPE spritzen. Das aber nicht gleich vor/nach dem Essen, sondern je nach Kalorien der Mahlzeit frühestens nach drei Stunden.

Ist mein Blutzucker > 250 mg muss ich als Pumpenträger auf eine beginnende Ketoazidose achten. Ein Ketosetest wird bei Low-Carb aufgrund der vorhandenen Hungerketone in der Regel immer positiv ausfallen, daher konnte ich sowohl eine beginnende als auch eine fortschreitende Ketoazidose eigentlich nicht feststellen.

Dieser Zustand ist sehr gefährlich, da es einen großen Unterschied macht, ob ich eine Korrektur spritze, weil ich mich verrechnet habe oder ob ich eine beginnende Ketoazidose behandeln muss, dh. 20% Insulineinheiten vom gesamten Tagesbedarf spritzen muss.

Da die die Kohlenhydratspeicher nicht aufgefüllt werden und daher immer leer sind, ist die Gefahr einer Unterzuckerung sehr groß bzw. ein ständiger Begleiter.

Mir passierte es hauptsächlich in der zweiten Tageshälfte. Klar musste das Basisinsulin etwas angepasst werden, aber dass mein Blutzucker innerhalb von 15-20 Minuten von 100 mg/dl auf 40 mg/Dl absackte kam öfter vor als zu vor.

Doch wie behandelt man eine Unterzuckerung, wenn man auf Low-Carb ist? Nun ja, eigentlich nur mit Traubenzucker - alles andere wäre nicht möglich. Je nach Auslegung sind bei einer Low-Carb-Diät Kohlenhydrate von ca. 36 Gramm/Tag erlaubt.

4. Weitere Probleme bei Low-Carb mit Diabetes

Eine der wichtigsten Aufgaben des Stoffwechsels ist die Glukoseversorgung unseres Gehirns. Im Ruhezustand verbraucht dein Gehirn bis zu 17% der Energie, die aus Kohlenhydraten gewonnen wird. Daher fällt die Konzentration bei einer Low-Carb-Diät schwer und auch die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Das kennen wir alle, wenn wir längere Zeit nichts gegessen haben und uns einfach nur schlapp, müde und unkonzentriert fühlen.

Ein weiteres großes Problem ist, dass bei dieser Diät auf tierische Fette und Proteine ausgewichen wird und diese einen großen Teil ausmachen. Laut zahlreichen Studien unter anderem von Dr. Campell (im Buch „China Study“ oder in der Dokumentation „Forks over Knifes“ sehr gut beschrieben) steigt das Krebsrisiko drastisch an, wenn die Tageskalorien von tierischen Proteinen mehr als 5% der Gesamtkalorien ausmachen.

Tierische Fette erhöhen das Cholesterin, was eine der Hauptursachen für koronare Herzkrankheiten ist. Der Verzehr von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs sind lt. Dr. Campell eine der Hauptursachen für die meisten Krankheiten der westlichen Wohlstandsgesellschaft. Daher sollten wir eine pflanzenbasierte Ernährungsweise anstreben.

Wenn man sich dazu noch überlegt, dass alle Obstsorten neben den verbotenen Kohlenhydraten auch wertvolle Vitamine und Nährstoffe enthalten, dann ist es schwer vorstellbar, dass der Verzicht darauf nicht ungesund ist.

Ein weiteres Problem ist, dass auch grundsätzlich auf Ballaststoffe verzichtet wird. Ballaststoffe können eigentlich nicht vom Körper verdaut werden, aber in Kombination mit Wasser quellen Ballaststoffe auf und sorgen für ein Sättigungsgefühl und reinigen darüber hinaus auch den Darm.


5. Fazit:

Low-Carb-Diät bringt langfristig nicht viel. Die verlorenen Kilos sind spätestens nach einem Jahr wieder da.

Wird die Diät auf lange Sicht durchgezogen, sind ernste gesundheitliche Risiken vorprogrammiert, wenn du auf wertvolle Vitamine und Nährstoffe verzichtest und gleichzeitig auf tierische Produkte ausweichst.

Dein Blutzucker wird trotzdem ansteigen, die leeren Glukosespeicher bergen eine hohe Unterzuckerungs-gefahr. Bist Du Pumpenträger, ist eine beginnende Ketoazidose nur schwer feststellbar.

Du kannst aber einen guten Mittelweg einschlagen:

  1. Low-Carb eher nur bei Süßigkeiten anwenden.
  2. Kohlenhydrate durchaus reduzieren, aber nicht weglassen (Lower-Carb).
  3. Auf komplexe Kohlenhydrate umsteigen (Stichwort: Vollkorn).
  4. Auf Kohlenhydrate mit einem niedrigeren glykemischen Index ausweichen. 
  5. Intermittent Fasting betreiben. 

Deine Ernährung trägt viel für eine gute und richtige Einstellung Deines Diabetes bei. Das kannst Du auch hier nachlesen.


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Dein

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